Prof. Dr. habil. Wolfgang Schmid Europa-Universität Flensburg Bild: Christina Pleyer
    Prof. Dr. habil. Wolfgang Schmid      Europa-Universität Flensburg                                                                                             Bild: Christina Pleyer                                                                                 

Methode - den eigenen Weg entlag

Das, was wir von unserer Welt erfahren, das erscheint uns als Einheiten des Gegensätzlichen. Es ist möglich, dass diese Erfahrung gefärbt ist von dem, was wir von der Natur an Gegensätzen erleben: Tag und Nacht, Kälte und Hitze, Dürre und Überschwemmung, Hoch und Tief, Nähe und Ferne... Es liegt nahe, Licht und Schatten als Zeichen für die Anwesenheit von Alétheia und Lethe zu deuten und unerklärliche Erfahrungen als Geschick einer Gottheit zu betrachten. 

Dahinter steckt der tiefe Wunsch nach Orientierung, der das Bestimmen von Einheiten verstärkt, nämlich die Zusammenhänge sehen zwischen: Ursache und Wirkung, Grund und Zweck, Aufwand und Mittel, Eigenschaft und Art, Raum und Zeit, Umstand und Verhalten. Das Kennen solcher Zusammenhänge macht uns sicher, während uns das Fehlen verunsichert. Das sytstemische Streben nach Ordnung verschafft uns eine Welt, in der wir uns zurechtfinden und auskennen können. So liegt es nahe, die als erfolgreich in der sinnlichen Welt erfahrene Ordnung auf den geistigen Bereich zu übertragen. 

Die älteste und erste Übertragung aus dem sinnlichen in den geistigen Bereich ist die des Weges. Das griechische Wort für den Ausdruck „einen Weg entlang“ lautet „Methode“. Sowohl das Gehen eines erforschten Weges als auch das Entdecken eines Weges wird als Fortbewegung „Denken“ genannt. Die einzelnen Schritte auf diesem Weg heißen seit Kants „Kritik der reinen Vernunft“ (1. Auflage 1781) „Begriffe“. Je nach Beschaffenheit des Weges unterscheiden sich auch die Begriffe. Diese sind, je nachdem, ob man sich in der Ebene oder in höher gelegenen Gegenden aufhält, mehr oder weniger abstrakt.

Welche Wegmarken sichern Deinen Weg?