Prof. Dr. habil. Wolfgang Schmid Europa-Universität Flensburg Bild: Christina Pleyer
    Prof. Dr. habil. Wolfgang Schmid      Europa-Universität Flensburg                                                                                             Bild: Christina Pleyer                                                                                 

2.   Pädagogik, was ist das?  

 

Ich brauchte sehr lange, um zu begreifen, dass Pädagogik eines auf keinen Fall sein kann: Wissenschaft im tradierten Sinn. Wissenschaftliche Begriffe greifen in der erzieherischen und/oder unterrichtlichen Praxis einfach nicht.

 

Es ist zwar leicht, Erziehung als „Hilfe zur Selbsthilfe“[1] oder „Selbstbefreiung“[2] zu bestimmen, aber sehr schwer, das praktisch umzusetzen.

 

Maria Montessori und Alexander S. Neil haben jedoch praktisch aufgezeigt, wie Pädagogik ‚funktionieren‘ könnte.

 

Wer professionell unterrichtet, braucht vor allem:

 

  • fachliche Kompetenz
  • Empathie
  • Fantasie

 

Fachliche Kompetenz bedeutet, das, was es zu vermitteln gilt, wissenschaftlich hinreichend zu verstehen, damit es zureichend vereinfacht erklärt werden kann.

 

Unter Empathie wird die Fähigkeit und Bereitschaft verstanden, sich in die Gedanken, Gefühle und Beweggründe von Menschen erkennen, verstehen und hineinversetzen zu können.

 

Fantasie  meint das schöpferische Vermögen, bereits mögliche Möglichkeiten zu schauen.

 

Diese drei Talente sind unabdingbare Bedingungen der Möglichkeit, erfolgreich pädagogisch arbeiten zu können.

 

Diese sehr hohen Anforderungen sind zum Teil Grund für das schlechte Ansehen der Pädagogik.

 

Ausgerechnet jene, welche Pädagogik am heftigsten kritisieren, erfüllen diese Antworten nicht. Sie können nicht einmal verstehen, warum ein Unterricht mit kongruenter Vorbereitung bei einer Lerngruppe erfolgreich ist und bei einer anderen nicht.

 

Sie verstehen nicht, warum verschiedene Lehrende bei bestimmten Lerngruppen recht unterschiedlich ankommen. Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass es vor allem die Ausstrahlung der Persönlichkeit von Unterrichtenden ist, welche über den unterrichtlichen Erfolg entscheidet.

 

 

[1] Maria Montessori

[2] Friedrich Nietzsche