Prof. Dr. habil. Wolfgang Schmid Europa-Universität Flensburg Bild: Christina Pleyer
    Prof. Dr. habil. Wolfgang Schmid      Europa-Universität Flensburg                                                                                             Bild: Christina Pleyer                                                                                 
  1. Persönliche Ausstrahlung, wie entsteht diese?

 

 

Unter „Ausstrahlung“ wird gewöhnlich eine beeindruckende Wirkung einer Persönlichkeit auf Menschen, die mit dieser auf sie positiv wirkende Person zu tun haben.

 

Ausstrahlung spiegelt sowohl Selbstsicherheit wider als auch die Achtung, die jemand anderen gegenüber hat. Somit wird klar, dass Ausstrahlung ein Persönlichkeitsmerkmal ist, das sich weder antrainieren noch vorgaukeln lässt.

 

Wer nicht zu sich selbst stehen kann, sollte auch nicht anderen stehen oder gar ihnen vorstehen. Das zeigt, dass die Anforderungen an jene, welche pädagogisch oder sozial arbeiten, sehr hoch sind.

Wie kommt es, dass Ausstrahlung so wichtig ist? Das hat mit der Art und Weise zu tun, wie wir Information verarbeiten.

 

Grundsätzlich sollte man sich bewusst sein, dass Sprechen immer mit Kontakt und Anerkennung zu tun hat. Selbst auf wissenschaftlichen Kongressen geht es darum.

 

Bevor unser Gehirn vor allem sinnlich vermittelte Information aufnimmt, prüft es vor allem anhand gewisser körpersprachlicher Signale, wie vertrauenswürdig bzw. zuverlässig das sinnlich vermittelte, informationelle Angebot erscheint. Wenn ein Lehrer oder Lehrerin zum ersten Mal auf ihre Lerngruppe trifft, wird innerhalb weniger Sekunden von der Lerngruppe über Sympathie oder Antipathie entschieden. „Der erste Eindruck zählt!“

 

Selbstbejahende Unterrichtende machen sich natürlicherweise darüber keine Gedanken.

 

Das, was ich hier beschreibe, beruht auf oft beeindruckenden Beobachtungen unterrichtlicher Praxis.

Vorbildlich Unterrichtende kommunizieren in der Sprache der Lernenden, weil sie sich in deren Welt auskennen.

Bevor Information aufgenommen wird, überprüft das Gehirn, ob es sich überhaupt lohnt, sich damit auseinanderzusetzen. Das geschieht durch Entschlüsseln begleitender Signale und / oder verfügbarer Erfahrungen. Solche köpersprachlichen Signale werden von Menschen unbewusst ausgesendet.

 

Um sich überzeugend verstellen zu können, bedarf es eines besonderen schauspielerischen Trainings, das allerdings in der unterrichtlichen Praxis hoch wahrscheinlich kaum erfolgreich sein dürfte, denn Kinder und Jugendliche sind natürlicherweise sensibler als Erwachsene.

 

Der innerhalb weniger Sekunden entstandene „erste Eindruck“ herrscht eine Weile vor, und zwar so lange, bis er allmählich durch das Verhalten betroffener Bezugspersonen widerlegt wird.

 

Es hängt also ganz entscheidend von der Persönlichkeit des Unterrichtenden ab, welchen Eindruck sich die Lernenden von ihm machen.

 

Noch einmal: Wer selbst nicht zu sich stehen kann, sollte niemals vor anderen stehen! Ich erinnere mich an den sehr stark stotternden und kriegsversehrten Gymnasiallehrer Dr. Gerber. Er begann seine erste Geografie Stunde mit der selbstbewussten Bemerkung, dass bei ihm alles etwas länger dauere, weil er eben stottert. Aufgrund dieser Bemerkung war seine Behinderung kein Thema mehr und niemand machte negative Bemerkungen.

 

Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, seine eigene negative Befindlichkeit nicht zu verbergen.

 

Als ich völlig durchnächtigt nach einer langen Nachtfahrt meine Unterrichtsstunde in der Oberstufe des Förde Gymnasiums begann und meine Befindlichkeit offen schilderte, verließen einige fluchtartig den Raum.

 

Nach eine Weile kamen sie mit einem starken Kaffee aus der Schulküche zurück!

 

 

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