Prof. Dr. habil. Wolfgang Schmid Europa-Universität Flensburg Bild: Christina Pleyer
    Prof. Dr. habil. Wolfgang Schmid      Europa-Universität Flensburg                                                                                             Bild: Christina Pleyer                                                                                 

Außer Kontrolle

 

 

Bewusstwerden organisiert sich vorwiegend unbewusst und unterbewusst.

 

Unbewusstsein umfasst sämtliche verfügbare Erfahrungen aufgrund der im Langzeitgedächtnis gespeicherten Erlebnisse.

 

Unterbewusstsein umfasst dagegen nicht nur emotionale Bewertungen der Inhalte des Unbewusstseins sondern auch aus solchen Emotionen gebildeten maßgeblich bestimmenden Beweggründe des Verhaltens.

 

Als Widerspiegelung unbewusster und unterbewusster Vorgänge erlaubt das Bewusstsein, diese bedingt zu beeinflussen. Diese Einflussmöglichkeiten werden jedoch gewöhnlich überschätzt.

 

Nun hat aber der Mensch eine Möglichkeit entdeckt, sich aus den Abhängigkeiten von Unbewusstsein und Unterbewusstsein zu befreien. Diese Befreiung wird vor allem durch systematisch systemische Abstraktion erreicht.

 

Der Name für diese Systeme bildende, strategische Verallgemeinerung ist „Wissenschaft“. Wissenschaft distanziert sich von der Eindringlichkeit des Besonderen durch Mathematisieren.

 

Wahrnehmungen werden modelliert, kalkülisiert, und gemessen, um Verläufe prognostizieren zu können. Eigenschaften werden nicht mehr subjektiv empfunden, sondern objektiv gemessen.

 

Natürliche Vorgänge werden simulierbar, und Simulationen steuern natürliche Prozesse. Die digitalisierte Vorlage des Subjekts gilt als objektive Auswahl seiner Behandlungsmöglichkeiten.

 

Technische Utopien digitalisierter Welten faszinieren. Science fiction von heute gelangt als Projektierung von morgen zum Vorschein.

 

Aber je mehr die computertechnische Objektivierung fortschreitet, desto mehr geraten die Subjektivierungen des Bewusstseins außer Kontrolle.

 

Der Mensch delegiert seine Vernunft zunehmend mehr an technische Systeme. Soweit erfolgreiche Handlungsstrategien zuverlässig algorithmiert, programmiert und experimentell erprobt wirken, gilt dieses Vorgehen als Komplement zu tradiertem Verhalten.