Prof. Dr. habil. Wolfgang Schmid Europa-Universität Flensburg Bild: Christina Pleyer
    Prof. Dr. habil. Wolfgang Schmid      Europa-Universität Flensburg                                                                                             Bild: Christina Pleyer                                                                                 

Selbst-Fesselung

 

Reflektieren begleitet Bewusstwerden emotional und erweitert dadurch das Empfinden erweiterten Wahrnehmens. Denken gibt der Vernunft gleichsam den Weg nach draußen frei. Innere und äußere Erfahrungen vereinen sich zum Erleben von Wirklichkeit.

 

Aber die erwachende Vernunft empfindet sich während des Bewusstwerdens als unfrei. Das Ich fühlt sich durch Gebote und Verbote gegängelt. Was Erwachsene Erziehung nennen, das fühlt sich vorwiegend wie Unterdrückung an.

 

Aber die Natur hat manchen Wesen Möglichkeiten geschenkt, sich selbst zu befreien. So verschenkt die Fantasie Auswege einer Flucht in eine Spielwelt, in der mögliche Ernstfälle ausprobiert werden können. In Rollenspielen werden problematische Situationen durchgespielt.  

 

In der Kunst werden vor allem eigene existentielle Auseinandersetzungen mehr oder weniger offen ins Werk gesetzt.

 

Mit der Entwicklung sprachlicher Kompetenzen geht die Bildung des Verstandes einher. Der Verstand versucht, die in der Spielwelt gesammelten Erfahrungen zu nutzen, um sich dementsprechend im Denken einzurichten.

 

Als dominante existentielle Funktion wird Denken von Neugier initiiert. Dass Denken mit dem Versuch, Grenzen zu überschreiten, beginnt, lässt sich bei Kindern sehr leicht beobachten.

 

Es ist die Sehnsucht des Ichs, dass zwar empfindet, dass es ist, aber dabei auch fühlt, dass es sich noch nicht hat und deshalb erst werden muss. Pubertät ist der neuronale Totalangriff auf die Grenzen, innerhalb derer sich der junge Mensch vorfindet.

 

Während dieser Entwicklungsphase strukturiert sich das Gehirn vollkommen um. In dieser Zeit des Umstrukturierens befinden sich Intelligenz und Begabung in Höchstform. Versuche, sich intelligent durchzufragen, bezeugen die Suche nach Selbstfindung.

 

Diese  Suche wird praktisch verstärkt durch das Bestreben, vorgegebene Werte, Normen, Gebote und Verbote kraft Begabung  oder zu umgehen.

 

Vor allem während der Pubertät bildet sich das Gewissen des jungen Menschen aus. Erzieherisch lässt sich diese Gewissensbildung allein durch Offenheit, Vorbild und Liebe günstig beeinflussen. 

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