Prof. Dr. habil. Wolfgang Schmid Europa-Universität Flensburg Bild: Christina Pleyer
    Prof. Dr. habil. Wolfgang Schmid      Europa-Universität Flensburg                                                                                             Bild: Christina Pleyer                                                                                 

emovere

Emotion“ bedeutet dem Namen nach „Vorschein“. Emotion ist für das Ich der Vorschein des Selbst. Das Ich ist sich Selbst, indem es sich fühlt. „Gefühl“ ist der Dialog zwischen Ich und Selbst. Dieser Dialog findet im geistigen Raum der Vernunft statt und wird von dieser als Prozess zwar wahrgenommen, aber nur nachlässig reflektiert.

Versuchen wir, das Phänomen des Gefühls denkend zu erfahren. Zu diesem Zweck nutzen wir das Sprachzeichen „Haus“. Nun entscheiden unsere Gefühle, auf welche Art und Weise uns dieses Wort ein Bild von Haus in unserer Vorstellung erzeugen. Uns erscheint gewöhnlich zunächst ein Bild von jenem Haus, welches für uns eine besondere Rolle spielt. Das kann das Haus sein, in dem wir gerade wohnen, oder das, in dem wir aufgewachsen sind.

Mit dem modifizierten Wort „Elternhaus“ gestalten sich Ereignisse aus unserer Kindheit oder Jugend. Die vorstellungsmäßige Annäherung an ein besonderes Ereignis wird emotional bestimmt. Bei mir ist es merkwürdigerweise die Haustüre und das Treppenhaus. Ich gehe hinauf zu unserer Wohnung, aber es ereignet sich unmittelbar nichts. Ich betrete die Wohnung, aber es ist niemand da!