Prof. Dr. habil. Wolfgang Schmid Europa-Universität Flensburg
    Prof. Dr. habil. Wolfgang Schmid      Europa-Universität Flensburg                                                                                 

Bild-er-Leben

Denken  wird als Bilderleben bewusst. Sobald wir denken, beschäftigen wir uns mit Bildern in unserem Kopf. Philosophen sind seit jeher Leute, welche die Ergebnisse solcher Beschäftigungen für wichtig genug halten, um sie anderen mitzuteilen.

φαντασία phantasía – „Erscheinung“, „Vorstellung“, „Traumgesicht“

Philosophen wollen etwas machen, was keiner braucht, wollen etwas machen, für das es keinen Markt gibt, wollen etwas machen, für das sie keinen Auftrag haben, Sie machen es, weil sie glauben, dass es außer ihnen, irgend jemanden interessieren könnte. Sie wollen schaffend etwas verstehen und das anderen auch zeigen.

 

 

Die Geschichte der Philosophie demonstriert, dass diese Denker Recht behalten, Ohne deren hoch geschätzte Eigen-Bewertung wären Mathematik, Naturwissenschaften und Technik gar nicht erst entstanden. Der Erfolg solcher Mitteilungen verführte allerdings zur Vernachlässigung eigener origineller Auseinandersetzungen und zum bloßen Übernehmen vorgedachter Wege. 

 

Diese von Schulen und Hochschulen geförderte Bequemlichkeit führt letzendlich den Philosophen Friedrich Nietzsche zur Klage über die durchgängige Bildungslosigkeit.

 

 

 

Es verhält sich durchaus nicht so, als übersehen die ersten Denker gewichtige Aspekte des Denkens. Aber sie beziehen diese nicht ins Denken mit ein.

 

Als Phantasmata werden bei Platon (Philebos 39a-40a) jene Abbilder der Dinge bezeichnet, welche die Phantasie malt, um Gemeintes und Gesagtes losgelöst von der unmittelbaren sinnlichen Wahrnehmung zu vergegenwärtigen. Diese inneren Bilder, die Begehren und Lust ermöglichen, werden in Theätet 191d-e Siegelabdrücken in Wachs verglichen und als Inhalt der Erinnerung definiert. Aristoteles greift die Metapher auf, um den Sehvorgang zu beschreiben. Bestandteil dessen sei nicht nur ein passiver sondern auch aktiver Prozess der Bildgenerierung. Der Sinneseindruck – das ist jene Bewegung, die mittels der Luft vom wahrgenommenen Objekt zum Auge verläuft – werde nicht auf direktem Weg ins Gedächtnis gestempelt, sondern als Phantasma, als ein von der Phantasie abgemaltes Vorstellungsbild dorthin vermittelt.